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| Trujillo - Der Tod eines Diktators |
Wenn man den Malecon stadtauswärts in
Richtung San Cristöbal fährt, stösst man, schon hart an der Stadtgrenze, auf ein
monumentales Denkmal mit einer Reihe von Namen, an die als Helden und Kämpfer gegen die
Tyrannei, aber auch als Märtyrer erinnert werden soll: 28 Menschen, die an der Ermordung
eines der seltsamsten, irrational-grausamsten Diktatoren der Neueren Zeit beteiligt waren
und selbst sterben mussten, da das Attentat erfolgreich, aber doch stümperhaft inszeniert
worden war. Das Opfer, Rafael
Leonidas Trujillo, hatte selbst im Laufe seines Lebens soviel mit Attentaten und
politischen Verbrechen aller Art gespielt, dass sein Tod kaum Mitleid oder Entrüstung
hervorgerufen hat. Von einfacher Herkunft war er fast instinkthaft vertraut mit den
politischen Spielregeln der Dominikanischen Republik in den wirren Jahren nach der
nordamerikanischen Besetzung des Landes. Mit Glück und Wendigkeit stieg er vom Soldaten
zum Brigadegeneral auf und wurde 1930 zum Präsidenten gewählt. Seine Macht konsolidierte
er rasch durch Ausschaltung seiner Gegner und Feinde und durch den Aufbau eines
undurchdringlichen Systems von persönlichen Beziehungen, Pfründen und ihm verpflichteten
Organisationen. Nach seiner Wiederwahl 1934 war seine Macht nicht mehr zu erschüttern und nun liess er seinen Schwächen freien Lauf: Um seiner Eitelkeit genügezutun, taufte er Santo Domingo in Ciudad Trujillo um. Seine Habsucht liess jede Grenze zwischen Staatseigentum und persönlichem Besitz verschwinden. Über all seinen Handlungen schwebte eine Aura von Rachsucht und Gewalttätigkeit, die ihn auch aussenpolitisch immer wieder in Schwierigkeiten brachte: Die Ermordung von mehreren Tausend Haitianern konnte noch mit Geldzuwendungen vertuscht werden, doch im Laufe der jahre wurde seine Selbstherrlichkeit immer irrationaler. Kritiker im Ausland wurden in die Dominikanische Republik verschleppt und, zusammen mit allen Beteiligten, ermordet. Im Inland reichte es schon aus, ihm unsympathisch zu sein, um in ständiger Lebensgefahr zu schweben. 1960 liess er aus einer persönlichen Antipathie ein Bombenattentat auf den venezolanischen Präsidenten Betancourt verüben und musste in Kauf nehmen, dass in der Folge die meisten amerikanischen Staaten die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zur Dominikanischen Republik abbrachen. Schliesslich legte der Generalissimo und Wohltäter des Vaterlandes sich sogar mit den USA und der katholischen Kirche an, Stützen, auf die er immer gebaut hatte. Trotz alledem war Trujillo kaum aus dem Sattel zu werfen und seine Beseitigung wurde zu einem blutigen Gemetzel. Wenn Trujillo den Regierungspalast verliess, meldete es eine bestimmte Person dem Geheimdienst, damit sie mit zwei Wagen folgen konnten. In jener Nacht des 30. Mai 1961 gehörte diese Person aber zu den Attentätern und in jener Nacht rief diese nicht den Geheimdienst an, sondern die Komplotteure. Diese Aktion war aber nicht laenger als ein paar Stunden Geheimzuhalten. Jetzt folgen 2 Autos dem Wagen von Trujillo, welcher glaubte, es sei der Geheimdienst. Auf der "Autobahn" nach Haina, wohin heute schon die Stadt St. Domingo reicht, wartete ein drittes Auto auf Trujillo, welches ihm den Weg Abschnitt. Dort wurde übrigens ein Monument errichtet, welches Balaguer vollkommen ignorierte. Heute ist es eine kaum auszumachende Ruine. Im fahlen Licht des Mondes sahen sie, wie Trujillo unter den Schüssen zusammenbrach. Danach packten sie die Leiche in ihren Kofferraum und stürmten zurück in die Stadt. Dem Plan entsprechend sollte ein politisches Komitee sofort den Tod des Diktators über Rundfunk verkünden und eine provisorische Regierung ausrufen. Doch so gross war die Scheu und der Glaube an die Unverwundbarkeit Trujillos, dass der Führer der politischen Gruppe den Regierungswechsel nur verkünden wollte, nachdem er die Leiche gesehen hätte. Verzweifelt suchten die Attentäter ihn nun in der Stadt, Er blieb unauffindbar und so liessen sie kopflos das Auto mit der Leiche in einer Strasse, um sich in Sicherheit zu bringen. Jetzt kommt das Fatale: der Geheimdienst-Chef weilte zu jener Stunde in einem Puff in der Nähe und hörte die Schiesserei. Da er wusste, dass Trujillo um diese Zeit in sein Haus Las Caobas fuhr, hat er nachgeschaut und schlug Alarm. Damit war das Überraschungsmoment verloren. Trujillos Sohn Ramfis, telegraphisch aus Paris zurückgeholt, übernahm sofort das Amt wie sein persönliches Erbe. Die Verschwörer wurden, einer nach dem anderen, gestellt, verrieten sich unter Folter gegenseitig und kamen auf furchtbare Weise um. Ein Zeitzeuge berichtet. Nicht alle wurden ermordet, aber fast alle. Einige fielen im Kampf auf offener Strasse. Am Anfang der Avenida Bolivar, in unmittelbarer Nähe des Parque Independencia erinnert eine Tafel an die Toten, die dort kämpfend starben. Die anderen wurden gefangengenommen. Die zwei Überlebenden waren Amiama Tio und Imbert Barreras, der noch lebt. Er selbst überlebte zwei Mordversuche (einmal musste er selber, mit einer Kugel im Kopf ,zum Krankenhaus fahren!), aber bei einem mysteriösen Flugzeugunfall starben seine Frau und seine Tochter, die in Puerto Rico die Hochzeitskleider kaufen wollten. Bald merkte Ramfis, dass er sich aussenpolitisch nicht halten konnte und so bereitete der Trujillo-Clan die Abreise vor. Am Abend zuvor liess Ramfis die überlebenden sechs Attentäter in sein Haus bringen, angeblich um ihnen zu verzeihen und exekutierte sie in guter Trujillo-Tradition persönlich. Dann liess er die Leiche seines Vaters auf dessen Privatjacht bringen und segelte ab. Damit ist die Geschichte immer noch nicht zu Ende. Die zurückgebliebene Regierung - unter dem heutigen Präsidenten Balaguer - hatte wie gelähmt diese Ereignisse verfolgt. Als das Schiff die Insel Martinique erreicht hatte, meuterte die Mannschaft, angeblich im Auftrag von Balaguer, und brachte das Boot, natürlich ohne Ramfis, zurück. Man fand darin vier bis fünf Millionen Dollar Bargeld, einen kleinen Teil des ungeheuren Vermögens, das die Trujillos mitgenommen hatten. Und natürlich wieder die Leiche des toten Diktators, die man eilends per Luftfracht Ramflis nach Paris nachschickte. So war der Generalissimo der letzte seiner Familie, der das Land verliess. Heute noch gehören einige der grössten Banken Barcelonas dem Trujillo-Clan. Weitere Infos: Die Geschichte der Dominikanischen Republik |
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