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Am
15.2.1493, auf der Rückkehr von seiner ersten Entdeckungsreise, schrieb
Christoph Kolumbus an seinen Gönner Fuis de Santangel:
»Alle diese Inseln (die
er besucht hatte) sind von erstaunlicher Fruchtbarkeit; doch gilt dieses
in ganz besonderer Weise von letzterer Insel (D.h. Hispaniola, die er die
"Spanische Insel", Espanola, nennt). An ihrer Küste öffnen
sich zahlreiche Häfen, die in Europa schwer ihresgleichen finden; viele
grosse Flüsse münden hier ins Meer. Das Land ist hoch gelegen und wird
von zahlreichen Gebirgsketten mit bedeutenden Erhebungen durchzogen, noch
mehr als dies auf der Insel Teneriffa der Fall ist. Alle diese Berge sind
äusserst vielgestaltig und begehbar, von verschiedenerlei Bäumen besetzt
und von solch erstaunlicher Höhe, dass sie den Himmel zu berühren
scheinen. Meines Erachtens verlieren diese Bäume niemals ihren Blätterschmuck;
sie waren so schön leuchtend wie die Bäume in der spanischen Heimat im
Monat Mai. Einige von ihnen blühten, während andere fruchtbeladen waren.
Dazwischen vernahm man den Sang von Nachtigallen und zahlreicher anderer Vögel,
in jenem Monat November, da ich mich dort befand. Es gibt dort sechs oder
acht verschiedene Arten von Palmen, deren wundersame Mannigfaltigkeit
erstaunlich ist. Überdies sieht man aussergewöhnlich viele Pinien, weite
bepflanzte Ländereien und zahllose Vogelarten. Auch Honig und die
verschiedensten Fruchtarten findet man dort. Das Innere des Landes ist
stark besiedelt und reich an Erzgruben.(...)
Die Bewohner dieser Insel sind (...) ohne Unterschied des Geschlechts
vollkommen nackt, wie Gott sie erschaffen: Einige Frauen bedecken einen
einzigen Körperteil mit einem Blatt oder einem Wollappen, den sie zu
diesem Zweck selbst verfertigen. Sie kennen weder Eisen noch Stahl,
besitzen keine Waffen, mit denen sie umzugehen wüssten, nicht etwa
deshalb, weil ihnen an körperlicher Kraft gebrechen würde, sondern weil
sie von Natur aus äusserst furchtsam sind. Als Waffe benützen sie nur
jene Rohre, denen sie an ihrer Spitze ein kurzes, scharf zugespitztes Stück
Holz anfügen. In Wirklichkeit setzen sie sich nicht einmal mit diesen
Speeren zur Wehr, da es sich oft ereignet hat, dass ich zwei oder drei
meiner Leute nach irgendeiner Siedlung geschickt hatte, um mit den
Eingeborenen in Fühlung zu treten, die dort in grosser Zahl versammelt
waren, und diese, als sie meine Leute herankommen sahen, eiligst die
Flucht ergriffen. Dies taten sie nicht etwa, weil man einem von ihnen Leid
zugefügt hätte. Im Gegenteil, wo ich mit ihnen in unmittelbare Berührung
kam, schenkte ich ihnen, was ich gerade bei mir hatte, wie Stoffetzen und
viele andere Kleinigkeiten, ohne dafür etwas zu verlangen. Sie sind
eben von einer unheilbaren Feigheit!»
Christoph Kolumbus,
15.2.1493
Weitere Infos:
Der Völkermord an den Indianern im Namen des Herrn:
Unermeßlicher Christlicher Haß, Blutrausch und Gier am Beispiel der
spanischen "Ebenbilder Gottes"
Christoph
Columbus und die Entdeckung und Eroberung Amerikas
Biografie
1451
wurde Cristoforo Colombo (später bekannt als Christoph Kolumbus), der Sohn eines Wollwebers, in Genua geboren. Genua war zu dieser Zeit eine reiche Handelsstadt. Er erlernte schon sehr früh den Beruf seines Vaters, las gerne Berichte über ferne Länder und fuhr bereits mit 14 Jahren zur See. Man vermutet, dass Kolumbus den Handel mit Wolle und den Verkauf der fertigen Stoffe über den Seeweg für seinen Vater abwickelte. Auf diesen Fahrten, die ihn nach Griechenland und in den Golf von Tunis führten, erlangte Kolumbus seine ersten seemännischen Fähigkeiten. Bei einer Handelsexpedition, die Kolumbus nach England bringen sollte, wurde diese von einer französischen Korsarenflotte angegriffen. Nach erbitterten Kämpfen gelangte Kolumbus als Schiffbrüchiger an die Küste von Lagos und ging von dort aus das erste Mal zur portugiesischen Hauptstadt Lissabon.
Kolumbus verließ Lissabon auf einem englischen Schiff, das nach Irland fuhr und beschloss bei seiner Rückkehr, seinen Wohnsitz nach Lissabon zu verlegen. Die portugiesische Hauptstadt war zu dieser Zeit die größte Seemacht der Welt, und viele Kaufleute hatten sich hier angesiedelt, um Handel zu treiben.
1479
heiratete Kolumbus Felipa Moniz Perestrello, die ihn in den Adel einführte. Das Paar siedelte vorübergehend nach Porto Santo um, wo Kolumbus' erster Sohn Diego geboren wurde.
Der portugiesische König Johann I. hatte beschlossen, die afrikanische Küste für den europäischen Handel zu erschließen, und sein Sohn Heinrich der Seefahrer wollte einen sicheren Handelsweg entlang der Küste Afrikas nach Indien und China finden. Es entstand ein immer größerer Handel. Viele Angehörige des herrschenden Adels begehrten Kostbarkeiten wie Gewürze, Duftstoffe und Textilien, die jedoch aus Indien kamen. Aber auch die Suche nach Gold war in den Königshäusern von größter Bedeutung. Zu dieser Zeit wurde der Handel, wie seit Jahrhunderten schon, über die Seidenstraße, hauptsächlich über Land also, abgewickelt. Diese Strecke war jedoch gefährlich, und die Waren verteuerten sich durch den Zwischenhandel und die Eroberung von Konstantinopel durch die Türken. Es entstand der Wunsch der Handelshäuser, einen möglichst direkten Weg in den Fernen Osten zu finden, um einen sicheren und günstigen Warenaustausch zu ermöglichen. Die Portugiesen, die ja seit einiger Zeit schon mit Gold, Gewürzen und Sklaven Handel trieben, erkundeten auch weiter den Weg Richtung Indien.
Kolumbus verfolgte diese Reisebeschreibungen und die Berichte der Gelehrten sehr genau. Auch sein Bruder Bartolomeo Colombo war inzwischen nach Lissabon gezogen, um dort ein Geschäft als Kartenzeichner zu eröffnen. Kolumbus selbst setzte seine Handelsreisen nach England und Irland fort. Auf diesen Fahrten meinte er fremdländische Leute gesehen zu haben, die nach seiner Meinung nur aus Indien stammen konnten. Nachdem in Kolumbus die Vorstellung gereift war, daß man, nach Westen segelnd, direkt in jene wunderbaren Reiche im Osten gelangen könne, versuchte er, seine Ansicht durch Wissenschaftler zu bestätigen. Er wandte sich an den Florenzer Wissenschaftler Paolo del Pozzo Toscanelli, der ihm seine Vermutungen bestätigte, daß im Osten Land wäre, was auch nicht allzu weit entfernt sein könne.
Im Jahre
1484
empfing der portugiesische König Johann II. Kolumbus, der so dem König seinen Plan einer Westreise zur Entdeckung von Indien vorlegen konnte. Nachdem der König die Unterlagen durch seine Gelehrten hatte prüfen lassen, lehnte er Kolumbus' Plan als leeres Gerede und Geschwätz ab.
Kolumbus verließ Lissabon und erreichte den spanischen Hafen Palos. Er versuchte weiter, Geld für sein Vorhaben aufzutreiben. Durch befreundete Pater und Grafen wurde er an das spanische Königshaus geladen. Dort versuchte er, das spanische Königspaar für seine Forschungsreise zu gewinnen. Doch da sich Spanien zu dieser Zeit im Krieg befand, musste auch das spanische Königshaus seine Wünsche erst einmal ablehnen.
Nach langer Zeit des Wartens durfte Kolumbus doch noch einmal mit dem Königspaar von Spanien über seine Reise verhandeln. Er stellte seine Forderungen, wie z.B. ihm den Adelstitel "Don" zu verleihen, den Rang eines Admirals und eine hohe Gewinnbeteiligung aller Einkünfte in dem Land, welches er entdecken wollte. Der König war über so hohe Forderungen entsetzt. Doch als durch die Übergabe Grenadas 1492 die Lösung des spanisch-maurischen Konfliktes erreicht war, stimmte das die Königsfamilie zugunsten von Kolumbus um.
Am 17. April
1492
billigte das Königshaus die Finanzierung des Unternehmens und alle Forderungen von Kolumbus. Man stattete ihn mit Beglaubigungsschreiben und Schriftstücken aus, die ihm zu Schiffen, Verpflegung und Mannschaften verhelfen sollten. In Palos wurden Kriminelle und Strauchdiebe, denen man Straffreiheit versprach, als Mannschaft angeheuert. Aber auch wagemutige und draufgängerische Privatleute, die sich einen hohen Gewinn von der Reise versprachen, konnten angeworben werden.
Als Flaggschiff charterte Kolumbus die Karavelle "Santa Maria". Zusätzlich wurden ihm die beiden Schiffe "Pinta" und "Nina" zur Verfügung gestellt. Nachdem die 90-köpfige Mannschaft, die Verpflegung und die Schiffe richtig ausgestattet waren, lichtete die kleine Flotte
am 3. August
1492
die Anker und verließ den Hafen von Palos.
Das Ziel der drei Schiffe waren zunächst die Kanarischen Inseln, um die Seetüchtigkeit der Schiffe zu prüfen und dort nochmals frische Vorräte aufzufüllen. Bei der Überfahrt sprang bei der "Pinta" das Steuerruder aus der Halterung. Die Reparatur der "Pinta" und die Erneuerung der Takelage der "Nina" dauerten einen Monat. Kolumbus stach mit seiner Flotte am 6. September
1492
in See. Als das Land außer Sicht der Mannschaft kam, begann diese, aus Angst vor dem Ungewissen unruhig zu werden. Doch der Admiral sprach ihnen Trost zu, und bei gutem Wetter und gleichbleibendem Wind kamen sie gut voran. Als die Flotte immer weiter nach Westen vordrang, begannen die Männer, sich zu beklagen. Seit vier Wochen waren sie nun auf See, und die Stimmung sank von Tag zu Tag. Das Auftauchen von Seevögeln und im Wasser treibendem Holz deutete schließlich auf Land ganz in der Nähe. Kolumbus ließ die Schiffe auch in der Nacht unter vollen Segeln fahren. Er erinnerte seine Mannschaft an das Versprechen des Königs, demjenigen, der das erste Mal Land sah, eine jährliche Rente von 10.000,-- Maravedis zu zahlen.
Am 12. Oktober
1492
gegen 2.00 Uhr morgens wurde von der "Pinta" ein Kanonenschuß abgegeben, der die Nachricht verbreiten sollte, dass Land in Sicht sei. Kolumbus ließ die Segel streichen und wartete auf den Sonnenaufgang. In seinem Logbuch notierte er, dass er selbst derjenige gewesen sei, der zuerst das Land gesichtet habe. Er offenbarte in diesem Fall ein so egoistisches Verhalten, dass er jenem Matrosen der "Pinta" das Recht auf die Belohnung aberkannte und für sich selbst in Anspruch nahm.
Am Morgen des 12. Oktober ging der Admiral an Land, setzte die königliche Fahne und nahm unter Zeugen das Land offiziell für Spanien in Besitz.
Kolumbus hatte die Insel San Salvador, von den Eingeborenen Guanahani genannt, erreicht. Die Inselbewohner, es waren Tainos, traten neugierig näher, und der Admiral, der sich in der Nähe Indiens glaubte, schrieb in sein Logbuch: "Die Indianer sind freundlich. Ich glaube, dass sie leicht zum Christentum übertreten können. Ihr Land ist zauberhaft, doch wo ist das Gold, und wo ist der Großkhan?"
Er verständigte sich durch Gesten mit den Eingeborenen und erfuhr, dass es noch weiteres Land in der Nähe gab. Deshalb fuhr er bereits zwei Tage später weiter. Die drei Segelschiffe entdeckten noch weitere kleinere Inseln, bevor sie Kuba erreichten. Kolumbus taufte diese Insel zu Ehren des Thronerben von Kastillien und Aragon auf den Namen "Juana".
Sein wichtigstes Ziel bestand darin, die von Marco Polo beschriebenen Schätze Chinas zu finden, die seinem Rang als Vizekönig Indiens erst das nötige Gewicht verleihen würden. Er erkundete das Inland von Kuba und begann mit den Indianern Tauschgeschäfte. Sie tauschten die aus Gold hergestellten kleinen Schmuckstücke gegen die von den Spaniern mitgebrachten Glasperlen und kleinen Bronzeglöckchen. Der gesamte weitere Verlauf der ersten Amerikafahrt war durch die Suche nach Gold bestimmt.
Der Kapitän der "Pinta" widersetzte sich den Befehlen Kolumbus' und ging selbständig auf weitere Erkundungsfahrten. Die "Santa Maria" und die "Nina" segelten nun alleine weiter, immer noch in der Hoffnung, auf große Goldvorkommen zu stoßen. Kolumbus begann, Pläne für die Kolonialisierung zu entwickeln und landete auf Hispaniola, dem heutigen Haiti. Im Kontakt mit der Bevölkerung dieser Insel stellte sich schnell heraus, dass sie mehr Gold besaßen, als dies auf den anderen Inseln der Fall gewesen war. Kolumbus folgte einer Einladung, das Weihnachtsfest gemeinsam mit den Indianern zu feiern, als sein Schiff, die "Santa Maria", auf eine Sandbank lief und trotz Gewichtsverminderung und Hilfe der Indianer nicht mehr freizubekommen war. Kolumbus ließ alle Waren auf die "Nina" umladen. Aus dem Wrack der "Santa Maria" ließ er die erste Siedlung mit dem Namen "Villa de la Navidad" bauen. Die Gastfreundschaft der Eingeborenen mit dem Namen Guacanagaris ging soweit, dass Kolumbus immer neue Goldgeschenke überreicht bekam.
Zu Beginn des neuen Jahres konnte die "Nina" endlich die Heimreise antreten. In LaNavidad wurden etwa 40 Männer zurückgelassen. Unter ihnen waren angesehene Kaufleute, aber auch Handwerker, die für den Aufbau einer Siedlung wichtig waren. Nachdem die "Nina" mit dem nötigen Proviant ausgestattet war, und auch die "Pinta" wieder zurückgekehrt war, stach der Admiral am 4. Januar
1493
in See.
Vor ihrer Abreise hatte es noch einen unschönen Vorfall gegeben. Einige Indianer waren gekommen und hatten die Besatzung der Schiffe angegriffen, doch die Matrosen konnten sie in die Flucht schlagen. Kolumbus war froh, dass die Inselbewohner von den Christen eingeschüchtert wurden.
Am 16. Januar begann die Rückreise. Der Admiral wählte einen Kurs nördlich der Passatwindzone. Bis zum 12. Februar, als sie sich südlich der Azoren befanden, war das Meer ruhig. Doch dann ging ein heftiger Sturmwind los, der die beiden Schiffe trennen sollte. Alles schien verloren. Kolumbus schrieb in aller Eile das Wichtigste über seine Entdeckungsfahrt auf, verstaute die Papiere in einem Fass und warf dieses über Bord. Am Abend des 15. Februar
1493
begann der Sturm, sich zu legen, und bald darauf konnte die "Nina" auf einer Azoreninsel vor Anker gehen. Ein Teil der Besatzung wurde gleich an Land von den Portugiesen gefangen genommen. Kolumbus berief sich auf seinen Rang als Admiral und Vizekönig der Indischen Lande und schaffte es, seine Leute wieder freizubekommen.
Am 24. Februar konnte die Heimreise fortgesetzt werden. Die "Nina" geriet nochmals in ein schreckliches Unwetter und war gezwungen, am 4. März im Hafen von Lissabon Schutz zu suchen.
Nach einer Audienz beim portugiesischem König durfte Kolumbus die letzte Etappe, den Hafen von Palos ansteuern. Am 15. März, nur einige Stunden vor der "Pinta", legte Kolumbus im Hafen von Palos an.
Man überreichte Kolumbus eine Einladung des Königpaares. Mit einem farbenprächtigen Zug aus Indianern, Matrosen mit fremdländischen Pflanzen, Papageien und Gold reiste Kolumbus nach Barcelona. Es wurde ihm ein feierlicher Empfang bereitet. Kolumbus erhielt einen Adelstitel, war jetzt auch offiziell der Vizekönig und Gouverneur der Inseln und schon bald bat man ihn, eine zweite Reise vorzubereiten.
Er sollte seine Entdeckungen fortsetzen, Hispaniola kolonisieren und die Indianer zum Christentum bekehren.
Die neue Flotte bestand aus 17 Schiffen, einschließlich der "Nina". Kolumbus wählte auch einige Schiffe, die für küstennahes Segeln geeignet waren. Die Mannschaft bestand diesmal aus 1200 Mann.
Nur 28 Wochen nach seiner Rückkehr nach Palos, lichteten die 17 Schiffe in der Bucht von Cadiz die Anker.
Kolumbus zweite Fahrt verlief schnell und ohne größere Vorkommnisse. Auf den Kanarischen Inseln nahmen sie noch Schweine, Schafe, Pferde und Saatgut für die neuen Kolonien an Bord. Dank des starken Windes war die Flotte bereits nach 21 Tagen am Ziel ihrer Reise. Sie entdeckten Guadelupe und andere kleinere Inseln. Dabei lernten sie auch feindlich gesinnte Inselbewohner kennen, deren Bräuche sie erschreckten und abstießen. So überfielen sich einige Stämme der Kariben gegenseitig, um die Gefangenen zu schlachten und zu essen. Auch wurden Matrosen, die an Land neues Süßwassser laden sollten, von diesen Kanibalen angegriffen. Es war der erste richtige Kampf in der Neuen Welt, und die Spanier waren erschreckt über die Feindseligkeit, die ihnen hier entgegenschlug.
Kolumbus entdeckte noch einige Inseln, bevor er endlich La Navidad ansteuerte. Doch zu seinem Schrecken war das Fort niedergebrannt worden, und alle Bewohner waren tot. Untersuchungen ergaben, dass den Siedlern das ungewohnte Klima nicht bekam, die Siedler untereinander Streit bekamen und auch von Indianern angegriffen wurden. Kolumbus hielt sich nicht lange in La Navidad auf. Er beerdigte die Toten und setzte seine Suche nach den Goldminen fort.
Durch schlechtes Wetter und unzählige Riffe, die vor den Inseln im Meer versteckt lauerten, war die Flotte gezwungen, in einer schlecht geschützten Bucht zu ankern. Kolumbus gründete dort am 2. Januar
1494
das Fort Isabella. Der Vizekönig ordnete den Bau von 100 Häusern an, und in einer Behelfskapelle wurde die Heilige Messe gelesen. Er schickte Suchtrupps los, die Insel zu erkunden und nach Gold zu suchen. Am 12. März machte sich Kolumbus mit 500 Mann selbst auf den Weg. Er überquerte das Küstengebirge und baute zwischen zwei Flüssen das nächste Fort mit dem Namen St. Thomas. Hier fanden die Spanier endlich das ersehnte Gold. Kolumbus ging nach La Isabella zurück, belud drei Schiffe mit Proviant und setzte seine Suche nach den sagenhaften Goldschätzen von Asien fort. Er war immer noch der festen Überzeugung, dass er die indische Halbinsel sichten würde. Doch entdeckte er nur zwei weitere Inseln, Jamaika und Kuba. Da Kuba einen so langen Küstenstreifen hatte, ging Kolumbus davon aus, dass er nun endgültig asiatisches Festland betreten hatte. Er ließ seinen Notar Perez de Luna eine Urkunde aufsetzen, die besagte, dass sich ihr Schiff am Ufer des asiatischen Kontinents befand. Jeder der an Bord Anwesenden musste darauf einen Eid ablegen, sonst wurden ihm hohe Strafen angedroht.
Fünf Monate später, am 29. September
1494
kehrten die drei Karavellen nach LaIsabella zurück.
Wegen seiner Abwesenheit hatte Kolumbus seinen Bruder Diego zum Herrscher über La Isabella ernannt. Auch seinen anderen Bruder Bartolomeo hob er eigenmächtig in das Amt des Provinzgouverneurs. Dieses Amt hätte jedoch nur vom König selbst vergeben werden dürfen.
Als Kolumbus nun von seiner Entdeckungsreise von Jamaika und Kuba zurückkam, musste er feststellen, dass die Kolonisierung recht schlecht verlaufen war. Lebensmittelknappheit, Anpassungsschwierigkeiten an das Klima, Krankheiten und Grausamkeiten gegen die Indianer - dies waren die Probleme, die nun auf ihn zukamen. Er übernahm selbst sein Amt als Vizekönig und Gouverneur in La Isabella, doch hatte er als Herrscher wenig Erfolg. Um die Ordnung auf Hispaniola wieder herzustellen, war er gezwungen, die Todesstrafe einzuführen. Er versuchte vergeblich, den Indianern das Christentum nahe zu bringen und ging dabei mit immer größer werdender Härte vor.
Anstelle von Gold schickte Kolumbus etwa 1500 Indianer zum Sklavenhandel nach Spanien. Die verbleibenden Kariben, die sich nach harten Kämpfen geschlagen geben mussten, sollten in Zukunft alle drei Monate eine bestimmte Menge Gold abliefern. Von dem Gold kam in Spanien nur ein geringer Teil an. Hauptsächlich bereicherten sich die neuen Kolonisten daran.
Im Oktober
1495
traf Juan Aguado als Sonderbeauftragter des Königs ein, um gegen den Vizekönig zu ermitteln. Er befragte die kranken, enttäuschten und unzufriedenen Spanier. Kolumbus fühlte sich in seiner Ehre verletzt und beschloss, nach Spanien zurückzukehren, um vor dem König persönlich Rechenschaft abzulegen.
Am 11. Juni
1496
kehrte der verbitterte Admiral, begleitet von einigen Indianern, wenig Gold und Siedlern, die aufgegeben hatten, nach Spanien zurück. Der König von Spanien hatte trotz der Vorwürfe das Vertrauen zu Kolumbus nicht verloren. Er bestätigte die Ernennung des Bruders zum Provinzgouverneur und ließ eine weitere Reise vorbereiten.
Am 30. Mai
1498
begab sich Kolumbus auf seine dritte Reise, die ihn an das südamerikanische Festland führte. Er entdeckte die Lagunen des Orinoco-Deltas, Indianer anderer Kulturen, Perlen, Mangrovensümpfe und fremde Inseln. Im August, während Kolumbus sich auf dem Weg von Venezuela nach Hispaniola befand, gründete sein Bruder Bartolomeo die Stadt Santo Domingo. Er hatte in der Nähe neue Goldminen gefunden.
Kolumbus hoffte nach den Anstrengungen der letzten Reise, dass er sich ausruhen und Frieden unter seinen Leuten finden könnte. Doch die Insel hatte sich zwischen den Anhängern der Familie Colombo im Süden und den aufständischen Siedlern, die von Francisco Roldan noch aufgestachelt wurden, im Westen gespalten. Es herrschten chaotische Zustände. Die Indianer wurden zur Arbeit getrieben, während die spanische Siedler sich gegen die Regierung auflehnten und sich sonst dem Müßiggang hingaben. Diese spanischen Siedler beschimpften die Familie von Kolumbus als Ausländer und beschwerten sich beim König von Spanien über die Herrschaft des Vizekönigs.
Das spanische Herrscherpaar sah sich gezwungen, einen neuen Gouverneur nach Hispaniola zu schicken, um die Vorwürfe gegen Kolumbus zu untersuchen. Der neue Gouverneur, Francicsco de Bobadilla, erreichte am 24. August
1500
Santo Domingo. Direkt am Hafen sah er einen Galgen stehen, an dem die Leichen zweier Spanier baumelten. Bobadilla war entsetzt. Er ließ die drei Brüder Colombo verhaften und schickte sie nach kurzen Befragungen der Siedler in Ketten nach Spanien zurück.
Kolumbus und seine beiden Brüder wurden am 17. Dezember
1500
vom spanischen Königspaar empfangen. Man nahm ihnen die Ketten ab, versprach ihnen Gerechtigkeit und die Beibehaltung ihrer Titel. Außerdem durften sie weiter ihre Einkünfte aus den Handelsgeschäften beziehen. Kolumbus ging an das Franziskanerkloster nach Granada.
Der Admiral sollte noch eine weitere Forschungsreise im Namen des Königs unternehmen. Jedoch verbot man ihm, die Häfen von Hispaniola anzulaufen, da der König Unruhen befürchtete. Auf dieser Reise erforschte Kolumbus Mittelamerika. Nach weiteren Schicksalsschlägen und einem Jahr Zwangsaufenthalt auf Jamaika kehrte er nach Spanien zurück. Am 20. Mai
1506
starb Kolumbus in Valladolid. |