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Kurzinfo - Indianer
 
»Einige Indianer hat man lebendigen Leibes verbrannt, anderen Nase, Hände und Zunge abgeschnitten, eine grosse Zahl von ihnen hat man aufgehängt mit einem Wort: Man hat ihnen solche Grausamkeiten zugefügt, dass jene unter den Spaniern, die noch einen Rest christlicher Gesinnung bewahrt haben, schon beim blossen Gedanken daran zittern...
Die Indianer werden gezwungen, ihrer Arbeit und ihren Geschäften fernzubleiben. Von fünf Hunderten, die so gefangen werden, überlebt nicht ein einziger; denn die Indianer sterben, sobald man sie ihrer Lebensweise entfremdet. Es ist gewiss, dass man, um fünfzig Spaniern ihre Existenz sicherzustellen, mehr als fünfhundert indianische Feuerstätten entvölkern muss.»

Mit diesen Worten beschreibt ein Franziskariermönch aus Santo Domingo wenige Jahre nach der spanischen Landnahme die Katastrophe, die über die Indianer hereinbrach und die in weniger als einem halben Jahrhundert zum Aussterben eines ganzen Volkes führte, dem allein auf der Insel Hispaninla etwa eine Million Menschen angehörten. Diese Vernichtung, die sich überall auf dem amerikanischen Kontinent wiederholen sollte, ist heute schwer vorstellbar, vor allem, wenn man die geringe Zahl der an der Conquista beteiligten Spanier bedenkt. Wateten sie huchstäblich in Blut? Hatten sie nicht wenigstens ein politisches und wirtschaftliches Interesse daran, die vorgefundenen Inseln und Länder nicht zu entvölkern? Schon Kolumbus hatte zu den Indianern, ein ambivalerites Verhältnis: Es waren für ihn schöne, aber merkwürdige Geschöpfe, und er fing einige von ihnen ein, um sie, ebenso wie Tiere und Pflanzen als exotische Spezies nach Spanien zu bringen.
Seine Mannschaften, meist aufgelesenes Gesindel, für die das gefährliche Unternehmen nur Sinn machte, wenn die Rendite hoch war, konnten in der neuen Welt eine märchenhafte Karriere durchmachen: Sie wurden zu Landherren, denen für die Arbeit eine gewisse Anzahl von Indianern zustand: die Encomienda, das Anvertraute, womit man liebenswürdig diese Form der Schutzherrschaft umschrieb. Vor allem in den ersten Jahren waren die neuen Kolonien Grenzland, weitab von Kontrollen durch Kirche und Staat. Die Ressourcen, zu denen man ohne weiteres die Indianer zählte, schienen unerschöpflich - man brauchte sich nur zu bedienen. Gewalt zerstörte nicht nur Menschen, sondern auch deren soziales und wirtschaftliches System. Man spricht sogar von einem kollektiven Selbstmord der Indianer, worunter neben direkter Selbsttötung auch die Unfruchtbarkeit der Frauen, Apathie und Schwermut, Anfälligkeit gegenüber den neuen Krankheiten zu verstehen war. All dies störte natürlich rasch auch die Interessen der neuen Landherren, die versuchten, durch Importe, von anderen Inseln ihr Reservoir an Arbeitskräften wieder aufzufüllen. Die spanischen Neubürger waren einfache Menschen, Abenteurer, die nicht zu wirtschaften und hauszuhalten gelernt hatten - auch nicht mit menschlichem "Rohmaterial". Merkwürdigerweise waren es die Dominikaner, die sich durch ihre Verstrickung in die Inquisitinnsgescbäfte einen zweifelhaften Ruf erworben hatten, die als erste in Santo Domingo ihre Stimme gegen die unchristliche Behandlung der Indianer erhoben: allen voran der weniger bekannte Bruder Anton Montesino, dessen gewaltige Statue heute am Malecon mahnend die Hand für die Indianer erhebt: »Sind sie keine Menschen? Haben sie keine vernunftbegabten Seelen? Seid ihr nicht verpflichtet, sie zu lieben wie Euch selbst? Versteht ihr das nicht? Fühlt ihr das nicht?» (Predigt vorn 21.12.1511).
Es war ein anderer Dominikaner, Bartolome de Las Casas, der ebenfalls aufgrund seiner Erfahrungen von Sante Domingo, 1542 mit seinem weltberühmten Kurzen Bericht über die Zerstörung Indiens wesentlich zu den im gleichen Jahr erlassenen "Neuen Gesetzen" beitrug, mit denen die mörderischen Eneomiendas stark eingeschränkt wurden.
Den Indianern von Hispaniola haben sie nichts mehr genützt: Las Casas wird vielmehr, bis heute, vorgeworfen, der Versklavung von Afrikanern entscheidenden Vorschub geleistet zu haben: In seinem verzweifelten Bemühen, die Indianer zu retten, empfahl er, sie durch schwarze Sklaven zu ersetzen, die ohnehin schon unfrei seien und auch die Arbeitsbedingungen besser ertragen könnten.

Weitere Infos: Der Völkermord an den Indianern im Namen des Herrn: Unermeßlicher Christlicher Haß, Blutrausch und Gier am Beispiel der  spanischen "Ebenbilder Gottes"


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