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| Zeitzeugenbericht - Einwanderung |
| aus TAZ 23.9.2000 von THOMAS PAMPUCH |
Arturo Kirchheimer flüchtete als Jude vor den Nazis und fand ein neues Domizil in der Dominikanischen Republik. Er gilt als einer der Väter des boomenden Tourismus auf der Karibikinsel
Auch in Sosúa kann man abseits der Kneipenstraßen Ruhe finden. Etwa in dem hübschen Häuschen, in dem Arturo Kirchheimer - nur drei Minuten entfernt vom dem Trubel - seit Jahrzehnten wohnt. Kirchheimer, vor 91 Jahren in Hamm geboren und in Hamburg groß geworden, kam 1941 auf die Karibikinsel. Er ist einer der letzten Zeitzeugen für eine fast vergessenen Episode der Nazizeit. Seine Rettung vor Hitler verdankt Kirchheimer einem anderen Diktator: Rafael Leonidas Trujillo, der die Dominikanische Republik von 1930 bis zu seiner Ermordung 1961 mit blutiger Repression regierte. Dieser war zwar selbst von dunkler Hautfarbe (wogegen er Zeit seines Lebens mit allerlei Salben ankämpfte), doch er träumte immer von einer weißen Rasse auf seiner Insel. Auf einer von Franklin D. Roosevelt 1938 in Evian einberufenen Konferenz war die Dominikanische Republik als einziges Land der Welt bereit, 100.000 jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Ironie der Geschichte: Das Hauptmotiv des Diktators, der kurz zuvor in einem Massaker an die 20.000 schwarze Haitianer abschlachten ließ, war der Wunsch, seine vorwiegend dunkle Bevölkerung mit den neuen Siedlern "aufzuhellen". Nur 10 Prozent der Flüchtlinge durften verheiratet sein. Trujillo selbst verkaufte dem American Jewish Joint Distribution Committee ("Joint"), das sich um die Organisation der Flucht kümmerte, das Siedlungsgebiet in Sosúa - mit schönem Gewinn. Nur etwa 850 jüdische Flüchtlinge haben es wirklich bis in die Dominikanische Republik geschafft. Um uns die Geschichte der Flucht genauer zu beschreiben, führt uns Kirchheimer zu der 1941 gegründeten Synagoge an der Calle Alejo Martínez, neben der ein Museum eingerichtet ist. Er zeigt Bilder von der "Mouzinho", dem portugiesischen Schiff, mit dem er, seine (inzwischen verstorbene) Frau und seine Tochter in die Karibik kamen. Seit 1937 war der ehemalige Modeberater des Kaufhauses Hermann Tietz in Hamburg auf der Flucht. Bis 1940 arbeitete er bei einem Bauern in Luxemburg. Als das Land von den Deutschen besetzt wird, gelingt es ihm, für sich und seine Familie ein Visum für Kuba zu ergattern. Von der Gestapo begleitet, gelangt er mit 300 Schicksalsgenossen nach Lissabon, doch die Portugiesen lassen die Gruppe nicht ausreisen. Sieben Monate verbringen die Kirchheimers in einem Lager in Bayonne, bis schließlich Vertreter des "Joint" das Lager besuchen. 51 "fähige und gesunde Menschen" werden für "eine landwirtschaftliche Kolonie in Sosúa" ausgesucht und mit dem Schiff auf die Insel gebracht. Unter den rund 600 Flüchtlingen, die von 1939 bis 1941 in die Kolonie kamen, befanden sich nur fünf unverheiratete Frauen. "Die waren natürlich sehr schnell vergriffen", berichtet der ehemalige Kaufhausangestellte trocken... Den kompletten Bericht finden sie hier: TAZ Archiv |
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