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Die ersten Siedlungsversuche

Isabela die Katholische, Königin von Spanien am Ende des 5. Jahrhunderts, war, wie der Name schon sagt, eine fromme Frau, die sich besonders in der Verfolgung der Juden und Mauren hervorgetan hatte. Warum sie sich ausgerechnet mit dem jüdischen Finanzier Luis de Santangel verbündete, um Kolumbus seine Entdeckungsfahrt zu ermöglichen, ist Gegenstand vieler Spekulationen. Jedenfalls hatte Kolumbus ihr gegenüber eine Dankesschuld: Er löste sie ein, indem er die auf seiner zweiten Reise 1493 gegründete Siedlung La Isabela nannte.
Es war nicht sein erster Versuch: Bereits im Jahr zuvor hatte er, durch die Strandung eines seiner Schiffe, westlich von Monte Cristi, gezwungen, an einer bislang noch nicht aufgefundenen Stelle im heutigen Haiti einen provisorischen Stützpunkt, La Navidad, errichtet. Doch dieser war rasch von den Indianern , den Tainos, zerstört worden. Wahrscheinlich trugen die Kolonisten durch selbstherrliches Verhalten und Übergriffe selbst die Schuld daran. Dies erklärt die Lage von La Isabela auf einem in das Meer vorspringenden Plateau: Die kleine Halbinsel war nur auf einer Seite offen und konnte daher leichter verteidigt werden.
Obschon auch die neue Siedlung nur fünf  Jahre bestand, ist ihr Standort nie in Vergessenheit geraten. Man hatte sich wohl nicht sonderlich um Sie bemüht, doch die Behauptungen, alle Überreste seien absichtlich ins Meer gekippt oder durch ein Denkmal Trujillos zerstört worden, sind barer Unfug. Im Gegenteil: 1985 beschlossen die Staatsoberhäupter der Lateinamerikanischen Staaten, an diesem für Amerika so bedeutsamen Ort Ausgrabungen durchzuführen.
Nach kurzer Zeit zeigte sich ein präziseres Bild von dem, was La Isabela einmal war. Offenbar war das Plateau nur eine Art Festung, in die sich die Bevölkerung bei Angriffen zurückziehen konnte. Hier standen die bedeutenderen Gebäude, deren Grundrisse heute noch sichtbar sind: Das mächtige Verwaltungsgebäude, in dem auch Vorräte gelagert wurden; und, abseits in der linken Ecke, das Haus des Kolumbus.
Die eigentliche Siedlung lag  jedoch nicht an diesem unzugänglichen Ort. Ein Teil wird von der heutigen Ortschaft El Castillo bedeckt, was die Ausgrabungen nicht erleichtert. Ein anderer, östlich an der Mündung des Rio La Isabela (Los Coles), an einem fruchtbaren und wasserreichen Ort. Allein die Spanier hatten 200 Häuser; dazu kamen die hier lebenden Tainos, Frauen der Conquistadoren, Bedienstete und Verbündete. Alles in allem war La Isabela ein grosses und weit ausgedehntes Gemeinwesen.
Verschiedene Funde verweisen darauf, dass sich bestimmte Handwerkstechniken der damaligen Zeit bereits etabliert hatten: Es gab einen Ofen, in dem Keramikgeschirr und Ziegel gebrannt wurden, man fand Merkur, das man zum Abscheiden von Gold brauchte. Es wurde geschreinert, gemauert, geschmiedet und gegossen, wie die gefundenen Objekte zeigen. Eines davon war ein Nachttopf, wahrscheinlich der von Kolumbus selbst und damit das Objekt, das uns am nächsten
an ihn heranführt.
Warum wurde La Isabela so schnell aufgegeben? Es war wohl nicht die ungünstige Lage auf dem Plateau, die man bislang als Grund angeführt hatte. Es scheint vielmehr so, als ob sich der Admiral hier eingeigelt hätte, nicht nur gegen die feindlichen Tainos, sondern gegen seine eigenen Leute. Sie wollten nicht säen, ernten und Kanonenkugeln giessen, während der Admiral selbst zu immer neuen Ufern und - wie man meinte - Goldfunden aufbrach. Sie wollten nur schnell reich werden und dann nach Kastilien zurückkehren.
So enthält die Legende, die sich um die Gründung von Santo Domingo rankt, wohl ein Stück Wahrheit: Einer der Männer aus La Isabela, Miguel Diaz, hatte im Streit einen anderen schwer verwundet und war in den Süden geflohen, wo er die indianische Prinzessin Catalina kennen und lieben lernte. Und diese zeigte ihm, was er am dringendsten suchte: das Gold der Minen von Haina. Als dies bekannt wurde, liefen Kolumbus' Männer dem Admiral einfach davon. Die neue Siedlung, die nun am Rio Ozama entstand, wurde wohl konsequent La Nueva Isabela genannt, doch es war nicht mehr die Stadt des Kolumbus: Als er nach seiner dritten Reise dorthin zurückkehrte, wurde er von einem neuen Gouverneur in Ketten gelegt und mit seinem Bruder Bartolome nach Spanien zurückgesandt. Die Königin rehabilitierte den Entdecker und überhäufte ihn diplomatisch mit Ehren, ohne ihm seine Amter zurückzugeben. Erst sein Sohn Diego konnte nach dem Tode des Vaters das Kolumbus-Erbe als Gouverneur von Santo Domingo wieder antreten.